Binnenschiffe schleppen keine Sportboote?

Von wegen!

Wohnschiff Fotos - Noortje und der Tanker. Sowie andere Schleppaktionen.

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Schiffe müssen nicht selbst fahren.

Noortje wird gerne abgeschleppt

Schon bei der allerersten Überführung stellte ich fest, dass Noortje sich ausgezeichnet schleppen lässt. Kein Schlingern, kein gefährliches Eintauchen der Nase - sie legt sich gerade, läuft mit und bremst das Zugfahrzeug erstaunlich wenig aus. Damals noch mit dem alten Perkins, der auf dem Rhein kaum gegen den Strom ankam, nahm ich darum jedes Zwischentaxi dankbar an. Das war auf jener Reise ein WSA-Boot und ein Binnenschiff.
(Leider kam ich dabei nicht zum Fotografieren.)

Perspektivisch riesiges Tankbinnenschiff, ganz weit hinten ein kleines Boot.

Wenn der Partner einen Tanker hat, sollte das Boot eine Gefahrgutzulassung haben. Man will ja auch mal beieinanderliegen. Gedacht, getan: Es kostete ein paar technische Umrüstungen, ein Gutachten und etwas Überzeugung der Behörden, dass »gab es ja noch nie« kein zwingender Ablehnungsgrund sei.
(Foto vom Zertifikat folgt - nach Trennung vom Tanker habe ich es nicht mehr verlängert, aber bewahrt.)

Damit wurde Noortje derzeit das einzige als Sportboot registrierte Fahrzeug, das ein ADNR-Zertifikat hatte. (Auf jeden Fall in Deutschland, eventuell blieb es gar bis heute einmalig in Europa.) Ergo durften die beiden Schiffe sich nun legal so nah sein, wie sie wollten.

Fährt das Binnenschiff sowieso, wäre es Unsinn, allein zu tuckern:

Immer noch perspektivisch, aber etwas näher, wirkt das Boot neben dem Tankbinnenschiff schon größer. Nah dran, ist das kleine Boot gar nicht mehr klein neben der Schifferwohnung und hat eine mächtige Bugwelle.

Im Sommer pausierte der Tanker gern in Köln, Noortje lag schließlich neben einer Restaurant-Terrasse mit bester Aussicht. Zum Winter nahmen wir sie mehrfach mit nach Gorinchem. Dort warteten wir oft auf Ladung, direkt neben den Yachthafenstegen waren Pfähle für die Berufsschifffahrt. Dadurch bestand während längerer Liegezeiten mehr Chance, am Boot zu arbeiten, ich konnte gar vom Tankerheck ein Stromkabel rüberlegen.
Ich weiß nicht mehr, von welcher dieser Überführungen die Fotos auf dieser Seite sind, schätze irgendwann zwischen 2008 und 2010.

Draufsicht aufs geschleppte Boot von oben, neben dem Steuerhaus des Binnentankers. Draufsicht aufs Boot von achtern. Heckwelle des geschleppten Bootes, vom Heck des Tankers aus gesehen.

Da hängt schon was auf Seite? Ach, kann das Bilgeboot auch noch dabei.

Vor Noortje liegt noch ein Bilgeboot am Tanker angelegt. Bilgeboot und historisches Boot auf Seite vom Binnenschiff.

Cover Schiffsdiebinnen

Erlebe NOORTJE auch im Roman: Komm an Bord und schmunzle mit den Schiffsdiebinnen!

Hin- und Her Schlepperei

Während man in Gorinchem bequem vom Berufsanleger zum Bootssteg laufen konnte, lag der Tanker in Köln entweder vor Anker oder ein paar Kilometer entfernt an der Mauer. Bei Zweiterem hätte man zwar die U-Bahn nach Rodenkirchen nehmen können, aber wozu, wenn das Wetter gut ist und man ein eigenes Verkehrsmittel mitnehmen konnte? Ergo: Der Tanker schleppte Noortje von Gorinchem zurück nach Köln. Das letzte Stück in der Stadt fuhr Noortje selbst zu ihrem Liegeplatz, wiederum das Beiboot mit Außenborder im Schlepp. In diesem ging es dann zurück zum Tanker.

Stahlnachen am Tau am Heck von Noortje, auf dem Rhein vor einer Kölner Brücke.

Cover Schiffsdiebinnen

Erlebe NOORTJE auch im Roman: Komm an Bord und schmunzle mit den Schiffsdiebinnen!

Andere Schleppaktionen

Noortje war nicht die Einzige, die gelegentlich von der Zugkraft des Tankers profitierte.

Fremde Sportboote

hingen gelegentlich am langen Schlepptau, meist als spontane oder kurz zuvor angefragte Streckenhilfe wegen mangelnder Motorkraft auf dem Rhein. Das kleine rote Segelboot zogen wir gar von Köln bis nach Trier, von dort schaffte es seinen Weg über die Mosel zum Mittelmeer allein.

Kleines rotes Segelschiff hängt mit dickem Tau an einem Binnenschiffpoller, ruhige Mosel, Berge.
Weißes Sportboot hängt mit dickem Tau an einem Binnenschiffpoller, in aufgewühltem Rheinwasser.

Im Doppelpack zwei Kutter mitnehmen geht auch:
Holzkutter und zwei kleine Boote haben an einem Binnenschiff angelegt.

Aber so, mit den Bötchen dabei, bitte nur zum Übernachten oder im Schneckentempo in ruhigem Gewässer: Holzkutter und zwei kleine Boote haben an einem Binnenschiff angelegt.

Spektakulär waren Schleppaktionen mit Sondergenehmigung

Funkspruch eines Kollegen: »Hey, nimmst du jetzt deine Lieblingskneipe schon mit in die Niederlande?«
Glaube, die Antwort war sinngemäß: »Warum nicht?«
Aber nein, wir schleppten das alte Bootshaus nur zur nahen Werft in Köln. Das dauerte trotzdem einen kompletten Tag, die meiste Zeit brauchte das in-Position-halten beim Hochholen der vielen, jahrzehntelang eingemoderten Anker.

Bootshaus mit Jachtenstegen. Dahinter liegt ein Binnenschiff. Bootshaus beim Tanker auf Seite, fährt durch eine Brücke in Köln.

Eigentlich sollte dieser alte Braunkohleschlepper, statt auf die Werft, zuvor durch ein ehemaliges KD-Fahrgastschiff, die ›Düsseldorf‹, ersetzt werden. Die hatten wir dafür nach Köln-Niehl geschleppt. Nur, um sie eine längere Zeit später wieder wegzubringen, da Genehmigungen zurückgezogen wurden. (In diesem Zusammenhang kam es übrigens auch zum Biertransport mit Noortje.)
Neue Erfahrung: Auch wenn ein geschlepptes Schiff etwas kürzer ist, kann es riesig wirken und beim Manövrieren ganz schön die Sicht versperren.

Neben Dach samt Schornstein des hohen Fahrgastschiffes wirkt das Steuerhaus des schleppenden Tankers sehr klein. Bei der Fahrt auf dem Rhein sieht das schleppende Fahrzeug an Backbord nichts und wirkt auch vorne nicht größer.

Auch lustig: einen Ponton den halben Rhein runter zu schleppen.
(Der war übrigens das einzige Anhängsel, bei dem wir uns ernsthaft Sorgen machen und häufiger abstoppen mussten, um ihn nicht unter Wasser zu ziehen.)

Großer, flacher, viereckiger Arbeitsponton mittschiffs auf Seite des Tankers Vom Steuerhaus aus sieht der Ponton kleiner und nicht mehr so Bugwellen-gefährdet aus, war er aber.

Ach ja, hier mal so zusammengefasst, war das damals ganz schön viel Schlepperei, mit eigenen und fremden Schiffen.
(Zumal es noch einige ohne Fotos gab. Oder wenn, mit Personen an Deck, die ich nicht mehr fragen kann, ergo nicht online stelle.)

Kleines Fahrgastschiff liegt neben dem Tanker. Ein anderes Frachtschiff schleppt Noortje auf Seite. Der Tanker schleppt unser kleineres Frachtschiff - ein Zukunftstraum, der platzte.

Wenn man nicht selbst fährt, ändert sich der Blickwinkel. Gemeinsame Schleppaktionen eröffnen andere Perspektiven auf Boot, Revier und Menschen.

Blick aus der Binnenschiffwohnung, über das Deck vom geschleppten Boot auf einen Binnenhafen.

Übrigens, Bücher wirken ähnlich: Mehr von unserem Binnenschifferalltag auf dem Tanker liest du in Schiffschwein Spekje und auf dem Boot ›Noortje‹ fährst du mit den Schiffsdiebinnen.