Noortje wird gerne abgeschleppt
Schon bei der allerersten Überführung stellte ich fest, dass Noortje sich ausgezeichnet schleppen lässt.
Kein Schlingern, kein gefährliches Eintauchen der Nase - sie legt sich gerade, läuft mit und bremst das Zugfahrzeug erstaunlich wenig aus.
Damals noch mit dem alten Perkins, der auf dem Rhein kaum gegen den Strom ankam, nahm ich darum jedes Zwischentaxi dankbar an. Das war auf jener Reise ein WSA-Boot und ein Binnenschiff.
(Leider kam ich dabei nicht zum Fotografieren.)
Wenn der Partner einen Tanker hat, sollte das Boot eine Gefahrgutzulassung haben. Man will ja auch mal beieinanderliegen. Gedacht, getan: Es kostete ein paar technische Umrüstungen,
ein Gutachten und etwas Überzeugung der Behörden, dass »gab es ja noch nie« kein zwingender Ablehnungsgrund sei.
(Foto vom Zertifikat folgt - nach Trennung vom Tanker habe ich es nicht mehr verlängert, aber bewahrt.)
Damit wurde Noortje derzeit das einzige als Sportboot registrierte Fahrzeug, das ein ADNR-Zertifikat hatte. (Auf jeden Fall in Deutschland, eventuell blieb es gar bis heute einmalig in Europa.) Ergo durften die beiden Schiffe sich nun legal so nah sein, wie sie wollten.
Fährt das Binnenschiff sowieso, wäre es Unsinn, allein zu tuckern:
Im Sommer pausierte der Tanker gern in Köln, Noortje lag schließlich neben einer Restaurant-Terrasse mit bester Aussicht. Zum Winter nahmen wir sie mehrfach mit nach Gorinchem. Dort warteten wir oft auf Ladung, direkt neben den Yachthafenstegen waren Pfähle für die Berufsschifffahrt.
Dadurch bestand während längerer Liegezeiten mehr Chance, am Boot zu arbeiten, ich konnte gar vom Tankerheck ein Stromkabel rüberlegen.
Ich weiß nicht mehr, von welcher dieser Überführungen die Fotos auf dieser Seite sind, schätze irgendwann zwischen 2008 und 2010.
Da hängt schon was auf Seite? Ach, kann das Bilgeboot auch noch dabei.
Erlebe NOORTJE auch im Roman: Komm an Bord und schmunzle mit den Schiffsdiebinnen!
Hin- und Her Schlepperei
Während man in Gorinchem bequem vom Berufsanleger zum Bootssteg laufen konnte, lag der Tanker in Köln entweder vor Anker oder ein paar Kilometer entfernt an der Mauer. Bei Zweiterem hätte man zwar die U-Bahn nach Rodenkirchen nehmen können, aber wozu, wenn das Wetter gut ist und man ein eigenes Verkehrsmittel mitnehmen konnte? Ergo: Der Tanker schleppte Noortje von Gorinchem zurück nach Köln. Das letzte Stück in der Stadt fuhr Noortje selbst zu ihrem Liegeplatz, wiederum das Beiboot mit Außenborder im Schlepp. In diesem ging es dann zurück zum Tanker.
Erlebe NOORTJE auch im Roman: Komm an Bord und schmunzle mit den Schiffsdiebinnen!
Andere Schleppaktionen
Noortje war nicht die Einzige, die gelegentlich von der Zugkraft des Tankers profitierte.
Fremde Sportboote
hingen gelegentlich am langen Schlepptau, meist als spontane oder kurz zuvor angefragte Streckenhilfe wegen mangelnder Motorkraft auf dem Rhein. Das kleine rote Segelboot zogen wir gar von Köln bis nach Trier, von dort schaffte es seinen Weg über die Mosel zum Mittelmeer allein.
Im Doppelpack zwei Kutter mitnehmen geht auch:
Aber so, mit den Bötchen dabei, bitte nur zum Übernachten oder im Schneckentempo in ruhigem Gewässer:
Spektakulär waren Schleppaktionen mit Sondergenehmigung
Funkspruch eines Kollegen: »Hey, nimmst du jetzt deine Lieblingskneipe schon mit in die Niederlande?«
Glaube, die Antwort war sinngemäß: »Warum nicht?«
Aber nein, wir schleppten das alte Bootshaus nur zur nahen Werft in Köln. Das dauerte trotzdem einen kompletten Tag, die meiste Zeit brauchte das in-Position-halten beim Hochholen der vielen, jahrzehntelang eingemoderten Anker.
Eigentlich sollte dieser alte Braunkohleschlepper, statt auf die Werft, zuvor durch ein ehemaliges KD-Fahrgastschiff, die ›Düsseldorf‹, ersetzt werden. Die hatten wir dafür nach Köln-Niehl geschleppt. Nur, um sie eine längere Zeit später wieder wegzubringen, da Genehmigungen zurückgezogen wurden.
(In diesem Zusammenhang kam es übrigens auch zum Biertransport mit Noortje.)
Neue Erfahrung: Auch wenn ein geschlepptes Schiff etwas kürzer ist, kann es riesig wirken und beim Manövrieren ganz schön die Sicht versperren.
Auch lustig: einen Ponton den halben Rhein runter zu schleppen.
(Der war übrigens das einzige Anhängsel, bei dem wir uns ernsthaft Sorgen machen und häufiger abstoppen mussten, um ihn nicht unter Wasser zu ziehen.)
Ach ja, hier mal so zusammengefasst, war das damals ganz schön viel Schlepperei, mit eigenen und fremden Schiffen.
(Zumal es noch einige ohne Fotos gab. Oder wenn, mit Personen an Deck, die ich nicht mehr fragen kann, ergo nicht online stelle.)
Wenn man nicht selbst fährt, ändert sich der Blickwinkel. Gemeinsame Schleppaktionen eröffnen andere Perspektiven auf Boot, Revier und Menschen.
Übrigens, Bücher wirken ähnlich: Mehr von unserem Binnenschifferalltag auf dem Tanker liest du in Schiffschwein Spekje und auf dem Boot ›Noortje‹ fährst du mit den Schiffsdiebinnen.